{"id":48,"date":"2014-02-20T15:22:52","date_gmt":"2014-02-20T15:22:52","guid":{"rendered":"http:\/\/projektklinik.de\/?p=48"},"modified":"2014-06-14T14:17:17","modified_gmt":"2014-06-14T14:17:17","slug":"ueber-verantwortung-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/projektklinik.de\/?p=48","title":{"rendered":"\u00dcber Verantwortung (Teil 1)"},"content":{"rendered":"<p>Verantwortung sollte ein lange und gut verstandenes Konzept sein. In der Realit\u00e4t treffe ich dennoch immer wieder auf ein grobes Missverst\u00e4ndnis des Wesens von Verantwortung, das manchmal an surreale Diskussionen dar\u00fcber erinnert, ob die Erde rund oder flach ist.<\/p>\n<p>Dabei ist Unklarheit \u00fcber die Verantwortlichkeiten &#8211; wer welche tr\u00e4gt und was das hei\u00dft &#8211; eine der gr\u00f6\u00dften Bremsen f\u00fcr funktionierende Organisationen!<\/p>\n<p><strong>Im beruflichen Kontext hei\u00dft Verantwortung zu haben, dass einem die Folgen des eigenen Tuns zugeschrieben werden und Konsequenzen nach sich ziehen.<br \/>\n\u00dcbernimmt man Verantwortung, akzeptiert man sowohl die Zuschreibung als auch die Konsequenzen.<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Die positiven Folgen beim Erf\u00fcllen der Verantwortung k\u00f6nnen zum Beispiel sein: Lob, Anerkennung, Bewunderung, Bef\u00f6rderung, Gehaltserh\u00f6hung, Macht, Einfluss, Privilegien, interessantere Aufgaben, erweiterte F\u00fchrungsverantwortung.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite stehen beim Scheitern Kritik, Zurechtweisung, Schuldzuweisungen, Rufverlust, Ausgrenzung, Neid, \u00dcberforderung, Konkurrenz, Karriere-Stagnation, Degradierung, Verachtung, Positionsverlust, Abmahnung, Entlassung.<\/p>\n<p>Verantwortung ist keine moralische Kategorie wie Schuld. Schuld setzt vors\u00e4tzliches oder grob fahrl\u00e4ssiges Verhalten voraus, Verantwortung lediglich das Annehmen eines Auftrags. Schuld ist grunds\u00e4tzlich negativ, Verantwortung kann sowohl zu positiven als auch negativen Ergebnissen f\u00fchren.<\/p>\n<p>Im Folgenden einige Strategien, die gern angewendet werden, um (vermeintlich) Verantwortung zu entgehen.<\/p>\n<ol>\n<li>Ahnungslosigkeit: Ich wusste nicht, dass ich verantwortlich bin!<\/li>\n<li>Gegenseitigkeit: Machst Du mich nicht verantwortlich, mach ich Dich nicht verantwortlich!<\/li>\n<li>Schwarzer Peter: Ich habe die Verantwortung doch delegiert!<\/li>\n<li>Diffusion: Wir sind alle irgendwie verantwortlich &#8211; und deshalb ist es irgendwie keiner!<\/li>\n<li>R\u00fcckzieher: Ich habe gar nicht gesagt, dass ich das hinbekomme!<\/li>\n<li>Opfer: Die Umst\u00e4nde haben mich gehindert!<\/li>\n<li>Ablenkende Moralisierung: Ich bin gar kein schlechter Mensch! Warum wirfst Du mir das vor?<\/li>\n<li>Mitleid heischen: Ich bin sooooo verantwortlich, ich bin so schlecht, so ein armes W\u00fcrstchen, ich habe so einen Bockmist gebaut, ich f\u00fchle mich so furchtbar wegen meiner Verfehlungen, bitte hab Mitleid mit mir&#8230; und (teil-)befreie mich von der Verantwortung.<\/li>\n<\/ol>\n<p>So als Liste lesen sie sich fast lustig, oder? Schreiben Sie weitere Strategien, denen Sie schon begegnet sind, als Kommentar zu diesem Blog-Beitrag!<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich werden diese Strategien nur angewendet, wenn es darum geht, den Folgen der Verantwortung f\u00fcr ein suboptimales Ergebnis zu entgehen. Lob nimmt jeder strahlend entgegen. Mit Verantwortung ist es ein bisschen wie mit dem Raubtierkapitalismus: Gewinne werden gern privatisiert, Verluste sozialisiert.<br \/>\nZum Einheimsen von Erfolgen werden \u00fcbrigens all die oben genannten Strategien umgedreht&#8230; \u00dcbung: Formulieren Sie die Punkte 1.-8. so, dass sie damit einen Erfolg f\u00fcr sich verbuchen oder verst\u00e4rken k\u00f6nnen!<\/p>\n<p>Hier die Grundregeln f\u00fcr Verantwortung, die ich f\u00fcr &#8222;ewige Wahrheiten&#8220; halte:<\/p>\n<ol>\n<li>Im direkten Verh\u00e4ltnis zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer (Vorgesetzen\/Mitarbeiter, Projektleiter\/Team-Mitglied, PO\/Scrum-Team) ist Verantwortung unteilbar. Jeder, der einen Auftrag annimmt, ist voll verantwortlich. Nimmt eine Gruppe (wie z.B. ein Scrum-Team) einen Auftrag an, ist <em>jeder <\/em>im Team gesamtverantwortlich.<\/li>\n<li>Verantwortung wird man nicht durch Delegation los. Reiche ich die Aufgabe oder einen Teil davon an jemand anderen weiter, bin ich <em>meinem <\/em>Auftraggeber gegen\u00fcber immer noch genauso verantwortlich! Ich habe lediglich ein neues Verantwortungsverh\u00e4ltnis gestartet: Das zwischen dem Delegationsempf\u00e4nger und mir.<br \/>\nSelbst, wenn ich keinerlei inhaltliche Arbeit mehr selbst mache (wie die meisten Manager) bin ich immer noch f\u00fcr die Auswahl und F\u00fchrung der operativ arbeitenden Menschen und letztlich f\u00fcr deren Ergebnis verantwortlich.<\/li>\n<li>Wer einen Auftrag annimmt, darf das nur tun, wenn er ihn erf\u00fcllen kann und will. Im Zweifel sollte man vorher seinem Auftraggeber die Risiken mitteilen, die man an dem Auftrag sieht. Mit der Annahme des Auftrags wird man verantwortlich. Deshalb sollte am Beginn jeder Verantwortungs\u00fcbernahme eine Pr\u00fcfung stehen, ob die Voraussetzungen stimmen.<br \/>\nVerantwortung kann man auch \u00fcbernehmen, wenn man zu einem Auftrag &#8222;nein&#8220; sagt: Verantwortung f\u00fcr sich selbst!<\/li>\n<li>Wenn sich die Bedingungen nach dem \u00dcbernehmen der Verantwortung auf eine Weise \u00e4ndern, dass der Auftrag nicht mehr innerhalb der vereinbarten Randbedingungen erf\u00fcllt werden kann, ist man <em>verpflichtet<\/em> (und berechtigt!) den Auftraggeber schnellstm\u00f6glich dar\u00fcber zu informieren, ggf. neue Bedingungen f\u00fcr den Auftrag auszuhandeln oder den Auftrag zur\u00fcckzugeben.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Im Teil 2 zum Thema &#8222;Verantwortung&#8220; bald in diesem Blog: Eine Kultur der Verantwortlichkeit entwickeln.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verantwortung sollte ein lange und gut verstandenes Konzept sein. 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