{"id":171,"date":"2015-04-12T19:49:34","date_gmt":"2015-04-12T19:49:34","guid":{"rendered":"http:\/\/projektklinik.de\/?p=171"},"modified":"2015-06-21T19:40:30","modified_gmt":"2015-06-21T19:40:30","slug":"hinterm-horizont-gehts-manchmal-nicht-weiter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/projektklinik.de\/?p=171","title":{"rendered":"Hinterm Horizont geht&#8217;s manchmal nicht weiter"},"content":{"rendered":"<p>Im Jahr 2010 machte ich mit meiner Familie eine lange Reise nach Vancouver Island vor der Westk\u00fcste Kanadas. Im fantastischen Strathcona Provincial Park unternahmen wir mit einer befreundeten Familie von einem Campingplatz am Buttle Lake aus eine Wanderung auf dem Flower Ridge Trail, der auf einem schneebedeckten Gipfel mit grandioser Aussicht \u00fcber die ganze Insel enden sollte.<\/p>\n<p>Stunde um Stunde liefen wir steil bergauf&#8230; und immer wieder hatten wir den Eindruck, hinter dem vor uns liegenden Buckel m\u00fcsse nun endlich der ersehnte Gipfel liegen. Wir motivierten die Kinder (&#8222;Kommt, nur noch bis dort hinten!&#8220;) und uns selbst, die Gedanken wanderten zu den Vorr\u00e4ten, die dem Gipfelschmaus zum Opfer fallen sollten und wir korrigierten noch einmal den Sitz der Rucks\u00e4cke, um voller Elan diese vermeintlich letzte Anh\u00f6he zu erklimmen.<\/p>\n<p>Aber Pustekuchen. Mal um Mal stellte sich heraus, dass dahinter nur einfach der n\u00e4chste, vielleicht sogar noch steilere Buckel wartete. Nach dem dritten oder vierten Effekt dieser Art, fingen wir an zu lachen und Witze dar\u00fcber zu machen, w\u00e4hrend die Kinder langsam n\u00f6lig wurden. Bei einer Rast an einem kleinen Teich, den n\u00e4chsten H\u00f6henr\u00fccken vor uns, hatte eines der Kinder einen hysterischen Anfall.<\/p>\n<p>Wir \u00fcberwanden schlie\u00dflich weitere drei Bergschultern, bis wir aufgrund der fortgeschrittenen Zeit auf einer Art &#8222;Untergipfel&#8220; beschlossen, den h\u00f6chsten Punkt unserer Wanderung erreicht zu haben und uns nach ausf\u00fchrlichem Picknick an den Abstieg machten.<\/p>\n<p>Diese Art von Effekt nennt man &#8222;Receding Horizon Problem&#8220;, das Problem des zur\u00fcckweichenden Horizonts.<\/p>\n<p>Immer wieder scheint das Ergebnis, das Ziel, in Reichweite zu liegen, aber beim n\u00e4chsten \u00dcberpr\u00fcfen der eigenen Position stellen wir fest, dass es wieder weiter von uns fortger\u00fcckt ist &#8211; in wiederum scheinbare Reichweite. Wie Odysseus&#8216; Sirenen lockt uns das wegeilende Ziel weiter, immer weiter. &#8222;Nur noch ein kleines St\u00fcckchen, noch <em>eine<\/em> \u00fcberschaubare Anstrengung, bald sind wir da und dann l\u00f6st sich alles in Zufriedenheit und Gl\u00fcckseligkeit auf.&#8220;<\/p>\n<p>Nur dass es nicht so ist. Wir investieren immer mehr Zeit, Kraft, Geld, Emotionen und sonstige Ressourcen. Und weil die jeweils n\u00e4chste Investition ja nur so klein zu sein scheint (und wir ja auch schon so viel investiert haben!), machen wir das viel zu oft bis weit hinter den &#8222;Point of No Return&#8220; hinweg.<\/p>\n<p>Dieser Punkt ist der, ab dem sich eine Investition nicht mehr lohnt und jede weitere Investition den Verlust nur noch vergr\u00f6\u00dfert. Der Sprint gerissen ist. Der Kollege seine abh\u00e4ngige Aufgabe nicht mehr schaffen kann. Das Projekt unwirtschaftlich wird. Man nicht mehr rechtzeitig nach Hause kommt. Eine Beziehung zerst\u00f6rt ist. Man beginnt, die Einstellung des Mitarbeiters zu bereuen. Die anderen Chancen, die man mit der gleichen Investition h\u00e4tte realisieren k\u00f6nnen, zunichte sind. Der Aktienkurs endg\u00fcltig abst\u00fcrzt. Man pleite ist. Man unaufhaltbare (negative) Konsequenzen verursacht hat.<\/p>\n<p>Aber was, wenn hinter dem n\u00e4chsten H\u00fcgel <em>tats\u00e4chlich<\/em> das Ziel ist?<\/p>\n<p>Sehen Sie? So f\u00e4ngt es an&#8230; und so h\u00f6rt es auf.<\/p>\n<p>Besser, Sie kennen den Point of No Return, wissen immer, wo sie in Bezug auf ihn sind, und kehren davor um.<\/p>\n<p>H\u00f6rt sich leicht an? Nein, das ist nach all den sozialen Aspekten eine der schwierigsten Aufgaben im Management \u00fcberhaupt.<\/p>\n<p>Haben Sie eigene Beispiele f\u00fcr Receding-Horizon-Situationen? Dann w\u00fcrde ich mich \u00fcber einen Kommentar zu diesem Eintrag freuen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Jahr 2010 machte ich mit meiner Familie eine lange Reise nach Vancouver Island vor der Westk\u00fcste Kanadas. 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