{"id":110,"date":"2014-11-05T14:23:48","date_gmt":"2014-11-05T14:23:48","guid":{"rendered":"http:\/\/projektklinik.de\/?p=110"},"modified":"2015-01-08T07:30:55","modified_gmt":"2015-01-08T07:30:55","slug":"binsenweisheiten-und-realitaet-its-simple-but-not-easy","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/projektklinik.de\/?p=110","title":{"rendered":"Binsenweisheiten &#8211; It&#8217;s simple, but not easy"},"content":{"rendered":"<p>Viele der Dinge, die in Management-Beratungsartikeln und bestimmt auch in diesem Blog angeprangert oder empfohlen werden, erscheinen trivial.<\/p>\n<p>&#8222;Mein Gott, warum muss man dazu einen Artikel schreiben &#8211; das wei\u00df heutzutage doch nun wirklich jedes kleine Handwerkerle!&#8220;, denken und kommentieren viele der Leser sinngem\u00e4\u00df.<\/p>\n<p>Schaut man dagegen in die Realit\u00e4t, werden selbst die grundlegendsten Binsenweisheiten systematisch ignoriert oder kunstvoll begr\u00fcndet, warum sie nun gerade in diesem Fall nicht gelten sollen. Man k\u00f6nnte meinen, die Welt best\u00fcnde vor allem aus Ausnahmen, so h\u00e4ufig passiert das.<\/p>\n<p>Das ist nat\u00fcrlich Quatsch.<\/p>\n<p>Die ewigen Wahrheiten des Managements, insbesondere der Projektsteuerung und -f\u00fchrung gelten, wie der Name schon sagt, praktisch immer. Ignoriert werden sie zum Beispiel aus Betriebsblindheit, Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung, \u00dcberforderung, falsch verstandenem Nonkonformismus, Gier, Realit\u00e4tsverleugnung, Augen-zu-und-durch-Mentalit\u00e4t, Unwissen, Faulheit, Prokrastination oder vermeintlich nicht \u00e4nderbaren \u00e4u\u00dferen Umst\u00e4nden.<\/p>\n<p>Ein sehr sprechendes Beispiel: Ich wurde vor fast 10 Jahren zum Projektleiter eines bereits komplett vorbereiteten Gro\u00dfprojekts berufen, in dem ein offenbar rein rechnerisch ermittelter Teamaufbau von 40 Team-Mitgliedern innerhalb von zwei Wochen geplant war. Als ich darauf hinwies, dass so ein Teamaufbau meines Wissens nach eher unrealistisch sei, wurde das einfach &#8222;sportlich&#8220; genannt und ansonsten der Einwand ignoriert.<\/p>\n<p>Es kam, wie es kommen musste:<\/p>\n<p>Es gab gar keine 40 verf\u00fcgbaren Kollegen, und schon gar nicht mit den ben\u00f6tigten Profilen. Erst tr\u00f6pfelten sie, dann kamen sie in hastig zusammengekratzten Sch\u00fcben, aber alles gleichzeitig zu langsam (Spezifikateure), zu schnell (Entwickler, Tester) und zu unkoordiniert. Schl\u00fcsselpersonen waren noch im Vorprojekt gebunden.<\/p>\n<p>Beim Kunden gab es trotz f\u00fcr rechtzeitig gehaltener Ansage des Bedarfs nicht genug Platz, selbst f\u00fcr die viel langsamer als geplant eintreffende Mannschaft. Zwischenzeitlich musste eine Gruppe hochbezahlter Team-Mitglieder in einem \u00fcberf\u00fcllten Besprechungsraum &#8222;arbeiten&#8220;.<\/p>\n<p>Die initialen Aufgaben waren gar nicht so weit parallelisierbar, dass sie sinnvoll auf die tats\u00e4chlich verf\u00fcgbaren neuen Team-Mitglieder h\u00e4tten aufgeteilt werden k\u00f6nnen. Das halbe Team wartete wochenlang auf ein reifes Fachkonzept (es war noch ein Wasserfall-Projekt), w\u00e4hrend die Spezifikateure angesichts dieses Drucks brutale \u00dcberstunden schoben.<\/p>\n<p>Die in dem Projekt eingesetzten Projektleiter und Teilprojektleiter (inkl. mir zu dem Zeitpunkt!) hatten gar keine Erfahrung mit einem so gro\u00dfem Team und den daf\u00fcr spezifischen Herausforderungen und ben\u00f6tigten F\u00fchrungstechniken.<\/p>\n<p>Eskalationen der Probleme wurden von den Vorgesetzten zwar geh\u00f6rt, aber letztlich weitgehend ignoriert, nach Vogel-Strau\u00df-Manier (&#8222;Es <em>muss<\/em> einfach gehen!&#8220;).<\/p>\n<p>Dieser Effekt zusammen mit einer verbl\u00fcffenden Flut weiterer, schon in der Projektvorbereitung angelegter und dann im Projektverlauf nicht mehr wirklich in den Grifff zu bekommender Fehler f\u00fchrte dazu, dass das Festpreis-Projekt mehr als doppelt so lang und teuer wurde wie geplant und mein Arbeitgeber erhebliche R\u00fcckstellungen bilden musste, um die Verluste auffangen zu k\u00f6nnen. Nur gut, dass er finanziell ausreichend potent war, viele andere Consulting-Unternehmen h\u00e4tte ein solches Projektergebnis zerlegt.<\/p>\n<p>Waren die Vorgesetzten inkompetent, unerfahren, dumm? Nat\u00fcrlich nicht &#8211; das waren alles kompetente, erfahrene und grunds\u00e4tzlich kluge Menschen.<\/p>\n<p>Der initiale Fehler, einen so krassen, nicht mit personellen, r\u00e4umlichen und planerischen Ressourcen abgesicherten Teamaufbau zur Pr\u00e4misse des Projekts zu machen, wurde nach meiner Einsch\u00e4tzung prim\u00e4r aus zwei Gr\u00fcnden gemacht:<br \/>\nAus der Akquisitions-Eigendynamik heraus und aus Gier (sorry f\u00fcr das harte Wort) nach dem zweistelligen Projektbudget und der Beauftragungskontinuit\u00e4t beim Kunden.<\/p>\n<p>Hinzu kam: Gerade aufgrund des Eindrucks, dass die Verantwortlichen kompetent, erfahren und klug sind, wurde die Machbarkeit nie ausreichend von den Ausf\u00fchrenden infrage gestellt (&#8222;sie werden schon wissen, was sie tun, und letztlich tragen ja sie die Verantwortung&#8220;).<\/p>\n<p>\u00c4hnliche reale Beispiele f\u00fcr das Ignorieren von &#8222;Ewigen Wahrheiten&#8220;, das zu negativen, manchmal verheerenden Folgen f\u00fchrte, kann ich und k\u00f6nnen Sie sicher noch Dutzende geben.<\/p>\n<p>Was w\u00e4re passiert, wenn die Ewige Wahrheit, die Binsenweisheit \u00fcber eine realistische Teamaufbaugeschwindigkeit und die notwendige planerische Detaillierung der ben\u00f6tigten Profile und ihrer Einsatzzeitpunkte ber\u00fccksichtigt worden w\u00e4re?<\/p>\n<p>Die Projekt-Akquisiteure (keine geringeren als ein Gesch\u00e4ftsbereichsleiter und ein Vorstand!) h\u00e4tten innehalten und Zeit f\u00fcr eine haltbare Neuplanung geben m\u00fcssen, und den Kunden dar\u00fcber informieren, dass und wie sich das Projekt dadurch ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>H\u00e4tte das zu einem Verlust des Projekts gef\u00fchrt? Vielleicht. Vielleicht aber auch einfach nur zu einem erfolgreichen, lukrativen Projekt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viele der Dinge, die in Management-Beratungsartikeln und bestimmt auch in diesem Blog angeprangert oder empfohlen werden, erscheinen trivial. &#8222;Mein Gott, warum muss man dazu einen Artikel schreiben &#8211; das wei\u00df heutzutage doch nun wirklich jedes kleine [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[73,74,7],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/projektklinik.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/110"}],"collection":[{"href":"https:\/\/projektklinik.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/projektklinik.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/projektklinik.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/projektklinik.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=110"}],"version-history":[{"count":15,"href":"https:\/\/projektklinik.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/110\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":147,"href":"https:\/\/projektklinik.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/110\/revisions\/147"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/projektklinik.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=110"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/projektklinik.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=110"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/projektklinik.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=110"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}