Typologie von Software-Entwicklern (Teil 3): Der Dementor

Nach der Diva und dem Ideologen nun ein paar Worte zum Team-Mitglied-Typ “Dementor”.

In den Harry-Potter-Büchern gibt es geistartige magische Wesen namens Dementoren, die jedem, der in ihre Nähe kommt, die Lebensfreude absaugen, bis nur noch Verzweiflung, Düsternis und Qual übrig sind.

Frau Rowling hat diese Figur mitten aus dem Leben gegriffen und nur leicht übertrieben.

Manche Projekte oder Teams scheitern an Menschen, die wie wahre Dementoren wirken.

Macht keinen Sinn. Das funktioniert doch nicht. Boah ist das alles Mist. Das haben wir schon früher ohne Erfolg versucht. Das haben schon andere ohne Erfolg versucht. Ich hab soooo keinen Bock. Sorry, ich bin halt nicht sozialkompetent. Muss ich das wirklich machen? Ist doch alles Scheiße. Ich kann halt nicht pünktlich sein. Ich bin so genervt. Ist doch egal, ob wir fertig werden, interessiert doch eh keinen. Es ist doch eh alles egal. Das Management/der PO/der Scrum Master/irgendjemand ist doch voll bescheuert. Ich bin nicht fertig geworden, aber nach/vor X Uhr arbeite ich nicht. Natürlich ist das schief gegangen, was dachtest Du denn? Nimm halt nicht Windows! Hab ich mir schon so gedacht, dass das nichts wird. Das hätte ich Euch schon am Anfang sagen können. Was willst Du denn? Das kriegen wir niemals hin. Hm-hmmm. Klar kann ich gleichzeitig “Tank World” spielen und programmieren. Da mache ich nicht mit. Ihr habt doch alle keine Ahnung. Stöhn. Das hat dein Vorgänger auch schon versprochen… und wo ist er jetzt? Warum ich? Ich will nicht mit Dir reden. Murmel-murmel. Ja, wir waren irgendwie verabredet, aber ich hatte etwas Besseres zu tun.

Höhnisches Lachen, wenn jemand anderes etwas Positives oder auch nur Konstruktives äußert. Spielen mit dem Handy in der Besprechung. Füße auf dem Tisch. Mürrisches Gesicht. Jeder Handgriff wird diskutiert. Null-Bock-Körperhaltung. Der Blick immer knapp am Gesprächspartner vorbei. Bloß nicht lächeln. Provokativ langsames Reagieren auf oder gar Ignorieren von Ansprache oder Kritik. Augenrollen. Sarkasmus. Zynismus. Unleserlich schreiben. Spätes Kommen und frühes Gehen. Demonstrative Freude am Misserfolg.

Dementoren ziehen meine Lebensfreude ab.

Jetzt bin ich selbst deprimiert. Ist doch alles Mist.

Der Dementor steckt in jedem von uns.

Verantwortungsflucht – weitere Strategien

In meinem Posting “Über Verantwortung (Teil 1)” nenne ich eine ganze Reihe von Strategien, wie Menschen in Projekten und anderswo versuchen, sich aus ihrer Verantwortung herauszuwinden.

Seit ich den Beitrag geschrieben habe, sind mir ein paar weitere häufig verwendete Strategien bewusst geworden, Kritik über nicht erfüllte Verantwortung (vermeintlich) zu entgehen.
Die möchte ich Ihnen nicht vorenthalten:

  1. Retourkutsche: Aber Du hast das (oder etwas völlig anderes) doch auch falsch gemacht!
  2. Kindergarten: Kollege X nimmt doch seine Verantwortung auch nicht wahr!
  3. Verstecken in einer diffusen Menge: Niemand hier nimmt seine Verantwortung wahr!
  4. Ebenenwechsel: Mir gefällt Dein Ton nicht! Überhaupt: Du hast mich auf dem Kieker!
  5. Relativierung: Ja klar, das ist ja auch die Katastrophe des Jahrhunderts. Du übertreibst total! Im Verhältnis zum Bruttosozialprodukt von Brasilien sind das doch nur Peanuts.
  6. Plattes Leugnen: Ich hab doch gute Arbeit gemacht!
    Gern hilfsweise ergänzt um:

    1. Du verstehst das nur nicht.
    2. Wir haben viel gelernt.
    3. Wir hatten eine gute Zeit! (Absurd, ich weiß, aber ein reales Beispiel!)

Fallen Ihnen weitere Verantwortungsvermeidungsfluchtstrategien ein? Dann ab in einen Kommentar damit.